Persönliches Schreiben Hr. Richter (SLPB) » E-Mail

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Schreiben/E-Mail vom 19.01.2015 an Herrn Richter Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung

Persönliches Schreiben zu Ihrem Fernsehauftritt am 18.01.2015

Die Gruppe „Dialog 2015“ fühlt eine Unterwanderung der Politik, erwartet von ihr verständliche Antworten.

Sehr geehrter Herr Richter,

in Anbindung an die gestrige Gesprächsrunde bei Günther Jauch, möchte ich mich bei Ihnen persönlich bedanken.

Sie haben trotz einer teilweise an Überheblichkeit und Arroganz grenzenden ständigen Einrede der anwesenden Herren Thierse von der SPD und Spahn von der CDU, mit bestimmten Anmerkung den „Nagel auf den Kopf“ getroffen.

Ja, Frau Oertel sollte die Gunst der Stunde nutzen und der sich unter dem auch meinerseits keinesfalls gebilligten Namen PEGIDA formierten Bürgerbewegung, einen anderen Namen geben.
Die Richtung dieser Bürgerbewegung ist unmissverständlich der seitens Herrn Thierse als nicht legitimiertes Volk bezeichneten Bürgern ohnehin vorgegeben.

Der kleine Mann will mit seiner Anwesenheit auf den montäglichen Demonstrationen nur eins und das heißt gelebte Basisdemokratie. Auch wenn das bei manchen Demonstranten teilweise erst bei genauerem Hinhören und Hinterfragen verständlich wird.
Der kleine Mann will mit endscheiden über die politischen Themen, welche sein derzeitiges und vor allem sein zukünftiges Leben prägen oder maßgeblich verändern werden.

Egal ob Euro-, Banken- oder Griechenlandrettung, Mindestlohn, Deckelung von Mieten- und Managergehältern, Rente mit 63, Einwanderungsgesetz, Asyl- und Flüchtlingspolitik transatlantisches Handelsabkommen, Kampeinsätze der Bundeswehr, Waffenlieferungen, Russland Embargo und vieles mehr.
All das sind Dinge, welche unser aller Leben und das unserer Kinder betreffen und die unsere Volksvertreter ganz einfach nicht mehr allein entscheiden sollten.

Seit dem Jahr 2008 ist soviel passiert, dass die Bundeskanzlerin und deren Kabinett nebst gewählten Volksvertreter unterwandert durch Lobbyisten und Karrieristen, zersetzt durch verordnete Parteidisziplin, aus objektiver Sicht nicht mehr in der Lage sind, allein Entscheidungen zu treffen und Gesetze zu verabschieden, welche die Zukunft und das Dasein unseres Volkes betreffen.

Seit Jahren vergeht kein Tag ohne Negativnachrichten.

Wir hatten in den letzten 6 Jahren Bankenkrisen, Weltwirtschaftskrise gefolgt von Schweinekrippe, Eurokrise, Griechenland- und Südeuropakrise, angehende Deflation oder Inflation (je nach Befindlichkeiten der Ifo Institute), Kriegseinsatz in Afghanistan und im Irak, arabischer Frühling mit aufgezwungener Demokratie verbunden mit dem faktischen Zusammenbruch diverser nordafrikanischer und arabischer Staaten und somit Auslöser einer bisherig nicht dagewesenen Flüchtlingswelle, die Atomkatastrophe in Japan mit einem angebundenen übereilten hiesigen Atomausstieg verbunden mit der Energiewende, Geldschwemme und Geldentwertung durch die EZB mit dem Ergebnis einer Vernichtung der Lebensversicherungen-Spar- und Altersvorsorgeanlagen, künstlicher Aktienboom welcher sich nicht mehr an Realwerten orientiert verbunden mit unvorhersehbaren Folgen eines unausweichlichen späteren Zusammenbruchs er Börse, Ukrainekrise und Russland Embargo verbunden mit der stetig wachsenden Gefahr eines 3. Weltkrieges, im schneller und weiter wachsende Unterschiede zwischen Arm und Reich, Ebola, weltweiter islamistischer Terror und vieles, vieles mehr.

Aber auch nicht vergessen werden darf, der Ostbürger wurde in den letzten 25 Jahren, welche für fast alle „Ossis“ im gefühlten Eiltempo vergangen sind, vom DDR Bürger zum BRD Bürger und vom BRD Bürger zum Europäer gemacht und soll nun am besten über Nacht vom Europäer zum Weltbürger werden.
Aber auch der Westbürger, welchem die deutsche Einheit in seiner Lebensart nicht so tangiert hat wie seinen ostdeutschen Nachbarn wird immer mehr aus seiner festen Substanz gerissen und von den Geschehnissen überrollt.

Den kleinen Mann und dazu zähle ich auch mich überfordern die Geschehnisse und es verstärkt sich das Gefühl, dass den Mächtigen in diesem Land und in anderen europäischen Staaten viele Dinge über den Kopf wachsen, da man sie selber nicht mehr greifen und schon gar nicht begreifen kann.
Auch Politiker sind nur Menschen und keine Maschinen und das verstärkt die Angst, dass die da oben Fehler ohne Rücksicht auf Verluste machen.

Ich bin 45 Jahre, ehemaliger DDR Bürger, Flüchtling in den Westen, Rückkehrer und „Aufbauhelfer Ost“,
bis zur Wirtschaftskrise 2008 und dem aus meiner Sicht teilweise fragwürdigen und übereilten Hilfsprogrammen unserer Bundesregierung selbständiger Unternehmer einer Firma mit über 100 Mitarbeitern,
zwischenzeitlich Prokurist eines Mittelstandsunternehmens
und Vater von 3 Kindern.

Eines meiner Kinder hat Migrationshintergrund und ich bezeichne mich selbst als Weltoffen.

Trotz meines weltoffenen Denkens, gehe ich seit geraumer Zeit zur montäglichen PEGIDA Demonstration auf die Straße und schreie lautstark „Wir sind das Volk“.

Mein Beweggrund ist nicht die Islamisierung des Abendlandes, wobei nach den jüngsten weltweiten Ereignissen bei dem Thema Islam eine bestimmte Unruhe auch bei mir aufkommt,
sondern mich bewegt die Angst vor der Zukunft meiner Kinder, hervorgerufen durch ein innerlich seit Jahren anschwellendes Unbehagen über politische Entscheidungen die nach meiner Auffassung nicht richtig sein können.

Mein Gefühl hat sich verstärkt, dass unsere Politiker teilweise hilflos und flankiert durch das Gift der Parteidisziplin, eigennützigen Beratern und Lobbyisten ausgeliefert sind und somit nicht mehr der Mensch im Vordergrund politischer Entscheidungen steht, sondern Profit-, Wirtschafts- und Machtinteresse jeden politischen Schritt tangiert und beeinflusst.

Bis zum Beginn der Montagsdemonstrationen war ich der Meinung allein zu sein mit meinem Denken, da das Leben meiner Mitmenschen so meine Vermutung eh nur bestimmt wird, von Smartphone, Geld und Eigeninteresse.

Durch die mit dem sehr unglücklichen Namen PEGIDA gewählte Bewegung habe ich allerdings sehr schnell festgestellt, dass ich doch nicht allein so denke und fühle sondern das tausendste Menschen die gleichen Ängste bewegen und das der Wille wächst, aus dem Dasein eines lediglich akzeptierenden Demokraten auszubrechen und Demokratie in ihrer Urform als mitbestimmender Bürger leben zu wollen.

Es ist schwierig, die Dinge welche mich als einfachen Menschen verängstigen und täglich beschäftigen kurz und verständlich in Worte zu fassen.

Es müssen sich deswegen Leute wie Sie Herr Richter finden, die sich dem Empfinden nach, ihrer Verantwortung bewusst sind und die ihre gesellschaftliche Position dazu nutzen können um aktiv zu werden ehe es zu spät ist.

Diese Land benötigt mehr Basisdemokratie und bei wichtigen Themen die direkte Entscheidung des Volkes.
Anderweitig wird es in kürze zu massiven Spannungen kommen, welche sich an den falschen Stellen entladen und sich zu einem Flächenbrand entwickeln können. Das wäre dann das Ende jeglicher Form von Demokratie.

Aus diesem Grund bitte ich eindringlich darum, machen Sie dort weiter wo die Sendung mit Herrn Jauch geendet hat. Sprechen Sie mit der ohne Abstriche sehr mutigen Frau Oertel und helfen Sie ihr, im Interesse unseres Landes, Europas und dem Erhalt unserer demokratischen Werte, der montäglichen Bürgerbewegung eine Richtung zu geben, welche als Hauptforderung das Recht auf direkte Mitbestimmung in Form von Volksentschieden beinhaltet.

Nur durch diese Form der Basisdemokratie lassen sich die grundsätzlichen Probleme in diesem Land und ein weiteres Aufbegehren des Volkes verhindern.

Gesetze, welche über Krieg und Frieden, Arbeit, Rente, Energie, Zuwanderung, Asyl, Europa, den Kapitalmarkt und das allgemeine menschliche Dasein entscheiden, müssen in der heutigen modernen Zeit direkt durch das Volk und nicht durch Volksvertreter und Regierung entschieden werden.

Die Regierung sollte das Weg bereitende Umsetzungs-, Repräsentation- sowie Verwaltungsorgan eines Volksentscheides sein und der gewählte Volksvertreter im Parlament die Überwachungsinstitution einer Ausführung der Entscheide im Volksinteresse.
Die politische Elite in diesem Land muss dem Bürger vor einer solchen Abstimmung, ihre Ziele und Vorstellungen nahe bringen und diese für jeden verständlich erklären, versuchen Ängste zu nehmen und Vorurteile abzubauen. Gelingt ihr dies nicht, muss sie in Folge mit den Konsequenzen einer etwaigen mehrheitlichen Ablehnung rechnen.

Schafft sie es aber ihre Ziele dem Volk nahe zu bringen und dieses von der Richtigkeit und dem Sinn der gewollte Maßnahme zu überzeugen, dann wird die Bevölkerung mehrheitlich dahinter stehen und den politisch gewollten Weg mit Stimme und Wille begleiten.

Positiver Nebeneffekt einer derartig gelebten Basisdemokratie, die Politik nähert sich wieder dem Volk und das Volk der Politik.
Dass ist es doch was die Urväter jeglichen demokratischen Denkens wollten und was in dieser Form die lebenswerte Zukunft unseres Landes, Europas und damit der ganzen Welt bewahrt.

Ich danke Ihnen fürs lesen und verbleibe in der Hoffnung auf ihr weiteres Handeln im Interesse der Bürger unseres Landes.

Mit freundlichen Grüßen

Reiko Beil

Quelle: dialog-2015, E-Mail vom 19.01.2015, Von Reiko Beil


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